Lebende Legenden
Erika Pluhar - Trauma, Trümmer, Täter (1/4)
Episode Notes
Erika Pluhar, eine der prägendsten österreichischen Burgschauspielerinnen, Sängerinnen und Autorinnen, durchlebt eine Kindheit im Schatten des Zweiten Weltkriegs. Sie schildert ihre frühen Jahre zwischen dem besetzten Lemberg, den zerstörten Straßen Wiens und der rettenden Provinz in Oberösterreich. Dabei reflektiert sie die Verstrickung ihres Vaters in den Nationalsozialismus und den familiären Umgang mit dieser historischen Schuld.
- Idylle neben dem Grauen: Im besetzten Galizien arbeitet der Vater im Büro des SS-Gouverneurs Otto Wächter. Während rundherum die systematische Vernichtung jüdischen Lebens stattfindet, entdeckt sie als kleines Mädchen die Natur am Ende des eigenen Gartens. Als sich der Vater für den Frontdienst meldet, kehrt die schwangere Mutter mit den Töchtern nach Wien zurück.
- Trauma im Luftschutzkeller: In Wien-Döbling angekommen, wird die Familie von den heftigen alliierten Luftangriffen eingeholt. Der Klang der Sirenen, ein naher Bombeneinschlag und die teilweise Zerstörung des eigenen Wohnhauses brennen sich tief in ihr Gedächtnis ein.
- Illusion und Wirklichkeit: Während der kriegsbedingten Evakuierung in das oberösterreichische Pfaffstätt sieht sie ihren allerersten Kinofilm. Die tröstenden Worte ihrer Mutter über die Leinwandhandlung lehren sie den essenziellen Unterschied zwischen filmischer Fiktion und kriegerischer Realität.
- Rückkehr und Neuanfang: Nach Kriegsende bringt ein Viehwaggon die Familie zurück in die hungernde Hauptstadt. Der entnazifizierte Vater kehrt früh aus britischer Gefangenschaft heim, worauf sich die Familie im Arbeiterbezirk Floridsdorf unter beengten Verhältnissen eine neue bürgerliche Existenz aufbaut.
- Schulische Aufklärung: Eine mutige Lehrerin am Mädchen-Realgymnasium konfrontiert die Schülerinnen Mitte der 1950er-Jahre detailliert mit den Verbrechen des Holocaust. Diese historische Wahrheit prallt ungebremst auf die familiäre NSDAP-Vergangenheit und führt zu einer heftigen, aber befreienden Auseinandersetzung mit den Eltern.
Hören, was bleibt.