Lebende Legenden
Christian Ludwig Attersee - Ab heute heiße ich Attersee (3/4)
Episode Notes
Die fünfte Staffel des Podcasts Lebende Legenden widmet sich dem Maler Christian Ludwig Attersee. Die dritte Folge dokumentiert den maßgeblichen Namenswechsel des Künstlers. Während einer Zugreise nach Graz im Jahr 1968 legt er seinen bürgerlichen Namen ab. Er verlässt die Enge Wiens und betritt die Bühnen des internationalen Kunstmarkts.
- Aufruhr und Gerichtssaal: Die Wiener Avantgarde provoziert in den späten Sechzigerjahren laute Skandale. Attersee inszeniert eine stille Performance in einem aufblasbaren Jesusmantel aus Plastik. Die Polizei stürmt diese Veranstaltung mit fünfzig Schäferhunden. An der berüchtigten Uni-Ferkelei nimmt der Maler nicht teil. Ein Richter lädt ihn später in dieser Sache als Zeugen vor, verweigert jedoch die Aussageaufnahme und rügt den Künstler ausschließlich für langes Haupthaar.
- West-Berlin und Zürich: Der Künstler sucht Zuflucht im günstigen West-Berlin. Er bewohnt ein ungeheiztes Zimmer, den Tatort eines vorangegangenen Tötungsdelikts. Mit dem Werk „Objekt Vagina“ erzeugt er in einer Berliner Galerie große Empörung. Der finanzielle Durchbruch gelingt schließlich in Zürich. Der Galerist Bruno Bischofberger erwirbt 54 Bilder, vervielfacht die Preise und verlangt eilige Auftragsarbeiten für amerikanische Museen. Attersee verweigert sich dieser Fabrikarbeit.
- New York und Venedig: Eine Reise nach New York führt zur flüchtigen Begegnung mit dem Maler Andy Warhol. Attersee logiert mit dem Galeristen Kurt Kalb im Broadway Central Hotel, einem Gebäude, das wenige Monate später in sich zusammenfällt. Nach einem Raubüberfall auf offener Straße kleiden sich die beiden Österreicher aus Geldnot mit weggeworfenen Textilien ein. Die späte offizielle Anerkennung in der Heimat folgt im Jahr 1984. Der Architekt Hans Hollein beauftragt ihn, den nationalen Pavillon auf der Biennale in Venedig zu bespielen.
- Klavierspiel und Schulden: In den Neunzigerjahren finanziert der Maler das Wiener Lokal Neu Wien. Die Räumlichkeiten etablieren sich rasch als Zentrum der Kulturszene. Politiker wie Jörg Haider erhalten Hausverbot. Der Inhaber unterhält die Gäste oft bis zum frühen Morgen am Klavier. Angestellte unterschlagen hohe Summen. Ein Schuldenberg zwingt Attersee zum Verkauf einer Immobilie am Semmering. Er blickt gänzlich ohne Reue auf diese Jahre zurück.